Stunde Null

Für Bayreuth endete der Zweite Weltkrieg am 14. April 1945. Die Amerikaner haben die Stadt besetzt. Sitz des Militärverwaltung: Das Alte Rathaus auf dem Marktplatz.

Für die Bayreuther setzt die Militärverwaltung eine Sperrstunde fest. Menschen dürfen sich nur noch zwischen 9 und 11 Uhr und von 14 bis 16 Uhr auf der Straße bewegen. Danach herrscht eine strikte Ausgangssperre.

Dabei platzt die Stadt aus allen Nähten: 1939 leben 45.028 Menschen in Bayreuth. Bei Kriegsende sind es 52.522 und zwei Jahre später, 1947, ist die Einwohnerzahl auf 58.438 Menschen gewachsen.

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Im April 1945 sind fast 37 Prozent aller Wohnungen in Bayreuth zerstört. Der Gesamtschaden wird mit 45 Millionen Reichsmark beziffert, in der Stadt liegen etwa 450.000 Kubikmeter Schutt herum.

Nahrungsmittel werden nur noch rationiert ausgegeben. Im April deutet sich bereits an, dass die Getreidebestände nicht bis zur nächsten Ernte reichen Im Dezember 1945 werden die Rationen nach unten korrigiert. So gibt es zum Beispiel 200 Gramm Fleisch pro Kopf und Woche. Die Ernährungslage verschlechtert sich weiter: Im Mai 1946 bekommt jeder Erwachsene im Monat sechs Kilo Brot und zwölf Kilo Kartoffeln.

Bayreuth ist nach Würzburg, Augsburg, Schweinfurt, Nürnberg und Aschaffenburg eine der am schwersten beschädigten Städte in Bayern.

Im Entnazifizierungsprogramm der Alliierten klassifiziert die Spruchkammer I fünf Bayreuther als Hauptbeschuldigte, 23 als Belastete, 66 als Minderbelastete und 955 Bayreuther als Mitläufer. Im Herbst 1948 schließt die Spruchkammer ihre Akten.

Friedrich Freiberger, der bei Kriegsende sieben Jahre alt ist, sagt: „Die Angriffe haben uns Kindern einen riesigen Abenteuerspielplatz beschert.“ Die Kinder klettern durch die Geröllfelder und Ruinen, werfen Mauern mit bloßen Händen ein und suchen in den Trümmern nach Munition. Sie legen Pulverspuren, lassen Stichflammen aufsteigen. Und immer wieder kommen Spielgefährten um.

Noch in den 50er Jahren sprengen sich Kinder mit Handgranaten selbst in die Luft.

 

Früher und heute: Wenn Sie mit der Maus den Pfeil fassen und über das Bild ziehen, sehen Sie, was aus den zerbombten Straßenzügen von 1945 heute geworden ist.

Blick in die Alexanderstraße: links die zerbombten Häuserzeilen der Alexanderstraße mit der Ruine des Reitzenstein-Palais im Hintergrund, rechts die heutige Situation.

 

Der Bayreuther Bahnhof: links im April 1945, die Stadt war als Verkehrsknotenpunkt ins Visier der Alliierten gekommen. Rechts, der Bahnhof heute.

 

Die Hauptpost: links, die Hauptpost mit der Bürgerreuther Straße unmittelbar nach dem ersten Bombenangriff auf Bareuth am 5. April 1945. Rechte Seite, die heutige Situation.

 

Die Bahnhofstraße: links, das im April 1945 zerbombte Hotel Reihsadler stand dort, wo heute die IHK für Oberfranken Bayreuth (rechts) steht.

 

Der Wölfelsblock: links, nach den Bombardierungen vom 11.April 1945, rechts, wie er heute aussieht.